Gesehen: Coma (2022)

Hätte ich mich am ersten Eindruck aufgehängt, hätte ich wenig Freude mit diesem Film gehabt. Denn als reine Kritik an irgendwelchem Influencer*innentum, True Crime, den zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen parasozialen und „echten" Bindungen und was weiß ich noch was wäre mir das viel zu einfach und auch einfältig gewesen.
Aber ich finde, dass unter dieser Oberfläche noch viel mehr steckt – nämlich etwas, das ich derzeit vor allem bei den Filmen von Jane Schoenbrun fühle. Es geht um die Entfremdung von der Welt und seiner Existenz darin. Das Suchen nach Heimat, das Finden von Gemeinschaft und Vertrauten. Genau das findet so oft im digitalen Raum statt, weil es in der „echten" Welt mitunter nach wie vor (lebens)gefährlich ist, von der angenommenen Norm abzuweichen.
Genau da liegt das Spannungsfeld, in das sich Bonelle hier hineinbegibt – mit rein virtuellen Räumen und Lebenswelten, geformt durch das Begehren, die Wünsche und Träume der darin wandelnden Menschen, auf der einen Seite und die Welt vor der eigenen Haustür, in der es Faktoren gibt, die das objektiv schlechter machen.
Dieser metaphysische Hauch gefällt mir und darin liegt auch die Stärke dieses Films.
★★★★☆

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