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Gesehen: Flags of Our Fathers (2006)

Gesehen: Flags of Our Fathers (2006)
(c) Warner Bros.

Um das direkt aus dem Weg zu räumen: Dieses Level an Pathos ist irgendwie schon to be expected – immerhin reden wir hier von einem Clint-Eastwood-Film, der sich mit der amerikanischen Geschichte auseinandersetzt. Das macht es nicht besser, aber es überrascht auch nicht.

Interessant ist es in Anbetracht dieser Tatsachen schon, wie konsequent er sich dem Heldenbegriff verweigert, es gegen Ende sogar noch einmal ausformuliert, dass Helden nur von uns aus der Entfernung konstruierte Bilder sind, die wir brauchen, um einen Umgang mit diesem Geschehen zu finden. Der Film maßt sich jedoch nie an, die an der Front kämpfenden Soldaten als Helden zu bezeichnen oder überhaupt ein Urteil über sie zu fällen.

Er fragt sogar, was das eigentlich für ein Land ist, für das diese Männer gekämpft haben und auch gestorben sind – ein Land, in der der „Kriegsheld“ aus der Bar geschmissen wird, weil er ein Indigener ist, der sich letztlich auf dem Acker zugrunde richten muss, um irgendwie zu überleben. Aber dort bleibt der Film dann wieder zu feige, um den Finger noch tiefer in die Wunde zu stecken, spricht vom „Leben“, das andere Pläne mit ihm gehabt habe. Dabei waren es die Menschen, die ihn aus purem Rassismus fallengelassen haben wie eine heiße Kartoffel.

Respektabel ist, dass Eastwood offenbar neidlos anerkennt, dass Steven Spielberg acht Jahre zuvor mit SAVING PRIVATE RYAN den heiligen Gral der Kriegsinszenierung geschaffen hat und gar nicht erst versucht, es besser zu machen, sondern sich demütig zahlreiche Kniffe abschaut. Auch Szenen wie zu Beginn die Nachstellung des Aufstellens der Flagge, in der die Kamera auf Augenhöhe den Soldaten auf den Hügel folgt, um dann weiter nach oben zu fliegen und zu zeigen, wie sich ein Footballstadion aus dem Dunkeln schält und eine wahrlich skurrile Situation mit den Kriegserlebnissen verschränkt.

Ein eindeutiger Griff ins Klo ist das Color-Grading. Die radikale Entsättigung der Bilder funktioniert zwar stellenweise während der Szenen auf Iwo Jima richtig gut – dort, wo sich in der Bombenkraterwüste die Soldaten kaum abheben, von der Welt zu schlucken gedroht werden. Aber größtenteils haben die Bilder einen mehr als weirden Metallic-Look.

Ähnlicher Quatsch ist das Casting. Niemand dieser sogenannten Heldentour wird der Schwere und der Komplexität der zugrundeliegenden Themen gerecht; keiner kann mit dem notwendigen nuancierten Spiel aufwarten. Es werden eher Grimassen gezogen, die vage in die Richtung dessen gehen, was der Film behauptet, in diesen Momenten zu transportieren.

★★★☆☆

US, R: Clint Eastwood, D: Ryan Phillippe, Jesse Bradford, Adam Beach, John Benjamin Hickey, John Slattery, Barry Pepper, Jamie Bell, Paul Walker, Robert Patrick, Neal McDonough, Melanie Lynskey, Trailer, Wikipedia
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